Jason Gardner, Gründer und CEO des Zahlungsabwicklungs-Start-ups Marqeta, hatte wieder einmal einen depressiven Schub. Es war Anfang 2016, und er konnte in seinem Haus in Oakland kaum schlafen oder essen. Manchmal lag er nur auf dem Boden und starrte an die Decke. „Ich konnte kaum aus dem Bett aufstehen und nicht lächeln. Ich hatte das Gefühl, dass alles um mich herum zusammenbricht, aber ich musste das nötige Geld auftreiben, um das Geschäft weiter aufzubauen“, sagt er. Marqeta stand kurz davor, kein Geld mehr zu haben.

Er und seine Frau Jocelyne hatten ihre Kreditkarten bis zum Anschlag ausgereizt und zahlten sogar ihre Hypothek mit Kreditkartenschecks ab, während sie ihren 15-jährigen Sohn und ihre achtjährige Tochter großzogen. „Manchmal weiß ich nicht, wie ich überlebt habe. Nicht, weil ich mich verletzt hätte, sondern weil mein Körper oder mein Geist zusammengebrochen sind“, sagt Gardner. Er schaffte es, das Unternehmen umzukrempeln, brachte es schließlich an die Börse und trat im Januar 2023 als CEO zurück.

Heute spricht er offen über die Probleme, mit denen er als Gründer zu kämpfen hatte – ein Thema, das selbst in Zeiten, in denen Menschen intime Details über sich in den sozialen Medien preisgeben, noch viel zu wenig diskutiert wird. Fast alle Unternehmerinnen und Unternehmer haben mit ernsthaften psychischen Problemen zu kämpfen. Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts Startup Snapshot vom April 2023 geben 72% der Gründer/innen an, dass ihr Job ihre psychische Gesundheit beeinträchtigt hat. Achtunddreißig Prozent litten unter Depressionen, Angstzuständen, bipolaren Störungen, ADHS oder Drogenmissbrauch, so eine Studie aus dem Jahr 2022, die unter anderem von Richard Hunt, Professor an der Viginia Tech, und Michael Freeman, einem Psychiater, der seit 2000 Unternehmer berät, durchgeführt wurde. In den letzten fünf Jahren haben mehrere Studien gezeigt, dass Unternehmerinnen und Unternehmer deutlich häufiger an psychischen Erkrankungen leiden als verschiedene Vergleichsgruppen“, fügt Freeman hinzu.

Gründerinnen und Gründer haben oft Angst, auch nur die geringste Schwäche an sich oder ihrem Unternehmen zu zeigen, vor allem weil sie befürchten, dass sich dies auf den Ruf ihres Start-ups und die Moral der Mitarbeiter auswirken könnte. Ryan Caldbeck, Gründer und ehemaliger CEO des Fintech-Startups CircleUp, erinnert sich, wie er vor einigen Jahren von Risikokapitalgebern gebeten wurde, sich mit anderen CEOs zu treffen, deren Unternehmen in Schwierigkeiten geraten waren, um ihnen Ratschläge zu geben. „Ich trank einen Kaffee mit dem CEO – ich erinnere mich an zwei oder drei Gelegenheiten – und der CEO erzählte mir, wie gut es seinem Unternehmen ging, obwohl der VC mir gerade gesagt hatte, dass es in großen Schwierigkeiten steckte“, sagt er. „Das ist Silicon Valley in Kurzform: diese Fassade.

In den letzten Jahren haben Spitzensportlerinnen wie Naomi Osaka und Simone Biles, Prominente wie Demi Lovato und Selena Gomez und der US-Senator John Fetterman öffentlich über den Umgang mit psychischen Erkrankungen gesprochen, und immer mehr Unternehmer ziehen nach. Im Februar 2022 schrieb Pedro Franceschi, Mitbegründer des Kreditkarten-Start-ups Brex, einen bewegenden Blogeintrag über seine psychischen Probleme, die zu einer Panikattacke führten, während das Unternehmen schnell wuchs und zu einem Liebling des Silicon Valley wurde. Einige Monate später veröffentlichte Andy Dunn, Mitbegründer und ehemaliger CEO der Herrenmodemarke Bonobos, sein Buch Burn Rate: Launching a Startup and Losing My Mind, in dem er die enormen Herausforderungen beschreibt, die seine bipolare Störung mit sich brachte.

Leistungstrainer gibt es zwar schon seit Jahrzehnten, aber das Interesse an psychologischen Grundversorgungsdiensten nimmt jetzt rasant zu. Michael Freeman sagt, er spreche einmal pro Woche mit Risikokapitalgebern über dieses Thema, während er vor einigen Jahren noch keine Anrufe von Investoren zu diesem Thema erhalten habe. Im Jahresbericht von Andreessen Horowitz über die größten verbraucherorientierten Marktplatz-Start-ups und Privatunternehmen, der im März 2023 veröffentlicht wurde, war die psychische Gesundheit die bei weitem am schnellsten wachsende Kategorie.

Das Magazion Forbes hat mit mehr als einem Dutzend CEOs und einem halben Dutzend Psychologen, Coaches und Risikokapitalgebern gesprochen, um ein besseres Verständnis der Herausforderungen zu erlangen, mit denen Gründerinnen und Gründer im Bereich der psychischen Gesundheit konfrontiert sind. Von Therapie und Meditation über Peer-Groups bis hin zu mehr Offenheit gegenüber den Mitarbeitern: Gründerinnen und Gründer beginnen, offen über ihre psychischen Probleme zu sprechen – und über die Strategien, mit denen sie sie bewältigen.

Work-Life-Balance im Ungleichgewicht

Einer der schwierigsten Aspekte bei der Führung eines Start-ups ist der endlose Strom entmutigender Probleme, die selbst in guten Zeiten zu einem schlechten Gefühl führen können. Hier einige Beispiele:

  • Du hast eine große Meinungsverschiedenheit mit deinem Mitgründer
  • Du hast einen wichtigen Kunden verloren
  • Einer deiner besten Verkäufer hat dich verlassen
  • Es gibt ein ernstes Personalproblem zwischen zwei Mitarbeitern
  • Ein Konkurrent hat ein vielversprechendes neues Produkt auf den Markt gebracht.

„Wenn dein Startup scheitert, fühlt es sich an, als würde dir jemand ins Gesicht schlagen“, sagt Michael Seibel, Managing Director und Partner beim Startup-Accelerator Y Combinator. „Aber wenn dein Startup funktioniert, fühlt es sich auch an, als würde dir jemand ins Gesicht schlagen.

Die Emotionen der Gründer steigen und fallen oft im Laufe eines Nachmittags. „Ich wusste, dass es Höhen und Tiefen gibt. Ich wusste nur nicht, wie oft“, sagt Anita Hossain Choudhry, Executive Coach und CEO von The Grand, einem Startup für Gruppencoaching. „Es kann buchstäblich innerhalb von Minuten passieren, dass man denkt: ‚Alles ist fantastisch. Alles läuft großartig. Und dann bekommst du eine E-Mail und denkst: ‚Das wird nicht funktionieren. Das ist schrecklich. Warum machen wir das?'“

Unternehmer:innen stehen unter großem Druck von Investoren, Kunden und den eigenen Mitarbeitern. „Es wird fast erwartet, dass du übermenschlich bist“, sagt Aditi Shekar, Mitgründerin und Geschäftsführerin des digitalen Bank-Startups Zeta. „Man steht ständig unter Druck, zu viel zu liefern, zu viel zu leisten, zu verständnisvoll zu sein, zu politisch korrekt, zu alles. Und das ist kein vorübergehender Druck. Es ist ein permanenter Druck, der unweigerlich seinen psychologischen Tribut fordert“.

Soziale und kulturelle Dynamiken können die Situation noch verschlimmern. Shekar sagt, dass Gründerinnen vor einer besonderen Hürde stehen: Von ihnen wird erwartet, dass sie „einfühlsam, freundlich, liebenswert und nett sind, aber gleichzeitig halsabschneiderisch und wettbewerbsorientiert“.

Ryan Williams, afroamerikanischer CEO der Immobilien-Investitionsplattform Cadre, sagt, dass er als Kind nicht wusste, was Depressionen oder Angstzustände sind, weil das Thema nie angesprochen wurde. „Es gibt bestimmte Gemeinschaften, in denen psychische Gesundheit als Schwäche und fast als persönliches Defizit angesehen wird, vor allem in der schwarzen Gemeinschaft“, sagt er. „Ich will nicht verallgemeinern, aber das war dort, wo ich aufgewachsen bin, und in meiner Familie so.

Überforderung führt oft zu einem Tiefpunkt bei Unternehmensgründern. In seinen ersten Jahren als Unternehmer verspürte Pedro Franceschi, Mitbegründer von Brex, den Drang, „jede Sekunde produktiv zu sein“. Er arbeitete 80 bis 100 Stunden pro Woche, schlief nur sechs Stunden pro Nacht und fühlte sich schuldig, wenn er Urlaub nahm. Im Oktober 2019 hatte Brex ein wichtiges neues Produkt auf den Markt gebracht, ein Geschäftskonto namens Brex Cash. Doch anstatt sich zu freuen, fühlte sich Franceschi ängstlich, und seine Verzweiflung gipfelte in einer Panikattacke am Morgen nach einer Halloween-Party mit Freunden in New York. Er beschreibt das Gefühl als „ziemlich verzweifelt, vor allem, wenn man nicht weiß, was passiert … Man weiß nicht, ob man einen Herzinfarkt hat“.

Einen Monat später nahm er sich eine Woche frei, schaltete ab und fühlte sich besser. Er ging wöchentlich zum Therapeuten, vierteljährlich zum Psychiater, nahm Medikamente und besuchte alle zwei Wochen einen Coach. Heute schläft er zwischen siebeneinhalb und acht Stunden. „Ich glaube, ich wusste nicht, wo für mich die Grenze war, zu viel zu arbeiten“, sagt er heute. Sein Therapeut hat ihm geholfen, sich selbst besser zu verstehen, warum er bestimmte Gefühle hat, und er kann nun Anzeichen von Angst viel früher erkennen. Im November 2022 kündigte Brex Catharsis an, eine Initiative, die darauf abzielt, Gespräche über psychische Gesundheit zu normalisieren und Brex-Kunden Ermäßigungen für psychische Gesundheitsdienste anzubieten.

Momente, in denen persönliche und berufliche Rückschläge zusammenfallen, können für Gründer:innen besonders belastend sein. Mitte 2016 musste der damalige CEO von CircleUp, Ryan Caldbeck, nach einer strategischen Neuausrichtung des Unternehmens eine Reihe von Entlassungen vornehmen. Zu dieser Zeit hatten er und seine Frau Fruchtbarkeitsprobleme – sie wollten ein zweites Kind, konnten aber nicht schwanger werden – und zu allem Überfluss wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Obwohl ein Investor ihn Ende 2017 bat, sechs Wochen Urlaub zu nehmen, arbeitete er weiter. „Nachdem ich mein Leben lang gekämpft hatte, sagte ich mir, dass ich keine Pause brauche“, schrieb er später in einem Blogeintrag und fügte hinzu, dass dies der größte Fehler seiner Karriere gewesen sei.

Im Jahr darauf twitterte er, dass nicht genug über psychische Gesundheit gesprochen werde, und schrieb: „Ich fühle mich völlig ausgelaugt. Die ganze Zeit. Es fällt mir schwer, bei Gesprächen außerhalb der Arbeit präsent zu sein. Wenn ich freitags mit meiner Frau ausgehe, fällt es mir oft schwer, mich auf uns zu konzentrieren – meine Gedanken kreisen um die Arbeit. Ich hasse das.“ Ein anderer Tweet im selben Thread lautete: „Ich fühle mich unglaublich einsam. Als CEO ist es schwer, sich vollständig über mein Unternehmen zu öffnen, und es ist schwer, andere CEOs zu finden, die bereit sind, verletzlich zu sein und ehrlich über die schwierigen Dinge zu sprechen.“

Im Herbst 2019 war es dann so weit. Seine fünfjährige Tochter sah ihn an und sagte: „Papa, du siehst immer so traurig aus.“ Sie sagte es zweimal, und er ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Ein Jahr später kündigte er seinen Rücktritt als CEO an.

Strategien für den Umgang mit psychischer Gesundheit

Es gibt große finanzielle Anreize für Gründer:innen, in ihren Unternehmen zu bleiben. Laut einer Studie von Babson-Professor Joel Shulman aus dem Jahr 2010 sind die Renditen von Investitionen in börsennotierte Unternehmen, die von Gründer:innen geführt werden, 10- bis 20-mal höher als bei vergleichbaren Unternehmen, die von professionellen CEOs geleitet werden.

Um sich auf die harte Reise vorzubereiten, sollten Gründer:innen so früh wie möglich eine „Infrastruktur“ für ihre psychische Gesundheit aufbauen, argumentiert Ryan Caldbeck, zumal es dauern kann, bis sie die richtige professionelle Hilfe finden. „Ich würde mir wünschen, dass die Welt die psychische Gesundheit so behandelt wie die Zahngesundheit – präventiv“, sagt Brad Baum, Mitbegründer des Founder Mental Health Pledge, einer Initiative zur Entstigmatisierung der psychischen Gesundheit und zur Ermutigung von Unternehmern und ihren Geldgebern, in die psychische Gesundheit von Gründern zu investieren.

THERAPIE, COACHING UND MEDITATION

Therapie ist eine der beliebtesten Methoden, mit denen Unternehmerinnen und Unternehmer beginnen, ihre psychische Gesundheit proaktiver zu managen. Für Pedro Franceschi ist eine Therapie, „als würde sich ein Profi um dein Wohlbefinden kümmern“. Sie hilft ihm, mit Stress umzugehen und Fragen zu beantworten wie: „Was sind deine Werte? Mit welchen Menschen willst du dich umgeben? Jackie Reses, ehemalige Chefin von Square Capital und CEO der Lead Bank, trifft sich seit Jahren wöchentlich mit einem Therapeuten. „Das ist ein Weg, dein Verhalten in der Welt zu verbessern, und letztlich das schönste Geschenk, das du dir selbst machen kannst“, sagt sie.

Bonobos-Mitbegründer Andy Dunn ist der Meinung, dass jeder Gründer alle zwei bis drei Jahre für mindestens sechs Monate in Therapie gehen sollte. Er plädiert auch dafür, dass Unternehmen pro Jahr und Mitarbeiter 2.000 Dollar für psychische Gesundheit ausgeben. „Die Erstattungssätze der Versicherungen sind miserabel“, sagt er.

Auch Paartherapie kann helfen. Vor Jahren war Jocelyne Gardner frustriert, weil ihr Mann Jason ständig an Marqeta zu denken schien. „Selbst wenn er im Zimmer war, war er oft nicht im Zimmer – seine Gedanken waren ganz woanders“, sagt sie. Sie machten eine Imago-Therapie, bei der ein Therapeut Jocelyne aufforderte, eine Frage zu beantworten und zu erklären, wie sie sich fühlte. Jason musste wiederholen, was Jocelyne sagte, ohne es zu kommentieren oder darauf zu reagieren. „Das macht dich weicher“, sagt Jason. „Du fängst an, [die Gefühle der anderen Person] wirklich zu verinnerlichen, weil du darüber nachdenkst, was sie gesagt hat, und du versetzt dich fast in ihre Lage. Jocelyne sagt, die Therapie habe ihr auch geholfen, mehr Mitgefühl für den starken Druck zu entwickeln, unter dem Jason bei der Arbeit stand.

Momente, in denen persönliche und berufliche Rückschläge zusammenfallen, können für Gründer:innen besonders belastend sein. Mitte 2016 musste der damalige CEO von CircleUp, Ryan Caldbeck, nach einer strategischen Neuausrichtung des Unternehmens eine Reihe von Entlassungen vornehmen. Zu dieser Zeit hatten er und seine Frau Fruchtbarkeitsprobleme – sie wollten ein zweites Kind, konnten aber nicht schwanger werden – und zu allem Überfluss wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Obwohl ein Investor ihn Ende 2017 bat, sechs Wochen Urlaub zu nehmen, arbeitete er weiter. „Nachdem ich mein Leben lang gekämpft hatte, sagte ich mir, dass ich keine Pause brauche“, schrieb er später in einem Blogeintrag und fügte hinzu, dass dies der größte Fehler seiner Karriere gewesen sei.

Im Jahr darauf twitterte er, dass nicht genug über psychische Gesundheit gesprochen werde, und schrieb: „Ich fühle mich völlig ausgelaugt.Die ganze Zeit.Es fällt mir schwer, bei Gesprächen außerhalb der Arbeit präsent zu sein. Wenn ich freitags mit meiner Frau ausgehe, fällt es mir oft schwer, mich auf uns zu konzentrieren – meine Gedanken kreisen um die Arbeit. Ich hasse das.“ Ein anderer Tweet im selben Thread lautete: „Ich fühle mich unglaublich einsam. Als CEO ist es schwer, sich vollständig über mein Unternehmen zu öffnen, und es ist schwer, andere CEOs zu finden, die bereit sind, verletzlich zu sein und ehrlich über die schwierigen Dinge zu sprechen.“

Mitgliedsorganisationen wie YPO (Young President’s Organization) und The Grand richten Peer-Groups ein, in denen Gründer, Führungskräfte und Mitarbeiter offen über ihre Herausforderungen sprechen können.

SICH DEN MITARBEITERN ÖFFNEN

Jeder Unternehmer fühlt sich unterschiedlich wohl, wenn es darum geht, sich seinen Mitarbeitern gegenüber verletzlich zu zeigen.“In den ersten fünf Jahren als CEO war ich ziemlich verschlossen, wenn es darum ging, meine Ängste und Unsicherheiten auszudrücken, sowohl beruflich als auch persönlich“, sagt Ryan Caldbeck.“Das war einer von vielen Faktoren, die zu Einsamkeit und Depressionen beitrugen. Inzwischen hat er festgestellt, dass es ihm hilft, Vertrauen aufzubauen und sich seinen Kolleginnen und Kollegen verbundener zu fühlen, wenn er sich mehr öffnet und zum Beispiel sagt: „Ich mache mir Sorgen, dass wir unsere Strategie nicht richtig umgesetzt haben, und ich bin entschlossen, das zu ändern.

Nigel Morris, geschäftsführender Gesellschafter von QED und Mitbegründer von Capital One, argumentiert, dass ein verletzlicher Umgang mit den Mitarbeitenden diesen zeigt, dass man echt und authentisch ist.“Verletzlichkeit ist eine Stärke“, sagt er.“Ich weiß nicht, was ich tun soll‘ oder ,Ich bin verwirrt‘ oder ,Ich mache mir Sorgen‘ – das ist kein Zeichen von Schwäche.Es fördert Loyalität und Engagement.

Andy Dunn glaubt an eine „selektive und strategische Offenlegung von Schwächen“. Er empfiehlt Gründern, Gelegenheiten wie eine kurze E-Mail oder ein Kamingespräch zu nutzen, um eine Herausforderung zu besprechen, an der sie gerade arbeiten.“Das kann schnell gehen, und dann geht es wieder an die Arbeit“, sagt er.

Dunn gibt ein Beispiel für eine E-Mail, die ein Gründer schreiben könnte: „Du könntest sagen: ‚Hey, wenn du merkst, dass ich etwas weniger Energie habe, bin ich in einem kleinen Tief.Ich habe eine Vorgeschichte mit Depressionen, nehme Medikamente und gehe zum Arzt.Aber ich kämpfe mich durch und bin so dankbar für die Arbeit, die ihr alle macht. Danke, dass ihr auf so hohem Niveau arbeitet, und ich werde bald wieder bei euch sein“.“Die Leute werden begeistert sein, wenn du das machst“, sagte Dunn.“Und du hast gerade einen sicheren Raum geschaffen, in dem jeder in der Organisation damit experimentieren kann, seine eigenen Gefühle zu teilen.Er fügt hinzu, dass es wichtig ist, beim Zeigen von Verwundbarkeit gleichzeitig den Aktionsplan zu kommunizieren, mit dem die Herausforderung bewältigt werden soll.

WAS INVESTOREN UND UNTERNEHMEN TUN KÖNNEN

In gewisser Weise sind Gründer:innen den Risikokapitalgebern, die sie unterstützen, gegenüber rechenschaftspflichtiger als allen anderen, so dass die Risikokapitalgeber „die lauteste Stimme im Raum haben“, sagt Brad Baum, Miterfinder des Founder Mental Health Pledge. Eine Sache, die Investoren tun können, ist, sich einfach bei den Unternehmern zu melden und zu fragen, wie es ihnen an einem bestimmten Tag geht.Nigel Morris sagt: „Es geht darum, die Leute anzurufen und zu fragen: ‚Wie geht es dir? Was geht dir durch den Kopf?Worüber machst du dir Sorgen?Wie geht es dir persönlich?'“

Im Jahr 2018 startete die im Silicon Valley ansässige VC-Firma Felicis ein „1% Founder Development Pledge“-Programm, bei dem Felicis für jeden Investitionsscheck, den es an ein Startup vergibt, 1% nicht verwässerndes Kapital hinzufügt, das die Gründerinnen und Gründer für psychische Gesundheitskosten ausgeben können.Mehr als 50 Gründerinnen und Gründer haben das Programm bereits in Anspruch genommen, sagt Dasha Maggio, Co-CoO von Felicis, die das Programm entwickelt hat und leitet.

Alexis Ohanians Risikokapitalfirma Seven Seven Six hat inzwischen ihre eigene Variante der Felicis-Initiative ins Leben gerufen und ein „2% Growth and Caregiving Commitment“ aufgelegt, bei dem die Firma zusätzlich zu jedem ersten Scheck 1% für das „persönliche Wachstum des Gründers“ und ein weiteres Prozent für Pflege investiert. Brad Baum und sein Mitinitiator des Founder Mental Health Pledge, Naveed Lalani, haben versucht, mehr VC-Firmen dazu zu bewegen, dies zu tun, aber das 1%-Programm hat sich nicht durchgesetzt, wahrscheinlich weil es als zu teuer angesehen wird.

Die Gründer:innen haben selbst Maßnahmen ergriffen, um die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter:innen zu fördern. Das Payment-Startup Orum stellt seine Mitarbeiter:innen jeden ersten Freitag im Monat für einen „psychischen Freitag“ frei. Die Mitarbeiter:innen sind zwar immer noch für die Kunden da, nehmen aber keine Verkaufsgespräche oder Meetings außerhalb des Unternehmens wahr, schreiben keine E-Mails und halten sich von Slack fern, sagt CEO Stephany Kirkpatrick. Außerdem schließt das Unternehmen seine Büros zwischen Weihnachten und Neujahr und zahlt die Krankenversicherung seiner Mitarbeiter/innen zu 100 %.Bei Treasury Prime ermutigt Chris Dean seine Mitarbeiter/innen, psychische Probleme anzusprechen und sagt ihnen manchmal, dass sie sich ein paar Tage oder eine Woche frei nehmen sollen, damit es ihnen danach besser geht.


FREUNDE, SPAZIERGÄNGE IN DER NATUR UND PSYCHEDELIKA

Der Psychiater Michael Freeman sagt, es sei wichtig, den Kontakt zu Freunden und Familie aufrechtzuerhalten, um ein starkes soziales Netzwerk von Menschen zu haben, die nichts mit dem Geschäft zu tun haben.Regelmäßige Aufenthalte in der Natur, z.B. in den Bergen, an Flüssen und Bächen, können erholsam sein und die Kreativität fördern.

Die Verwendung von Drogen wie MDMA (auch bekannt als Ecstasy oder Molly), Psilocybin (Magic Mushrooms) und Ketamin zur Verbesserung der psychischen Gesundheit ist ein neuer Trend.“Viele meiner Geschäftskunden sind daran interessiert, über die Verwendung von Psychedelika zu sprechen, sowohl zur mentalen Optimierung als auch zur Behandlung“, sagt die Psychologin Sherry Walling. „Im Silicon Valley ist das sehr verbreitet.“Sie wendet gelegentlich Ketamin-basierte Psychotherapie bei ihren Patienten an und erwartet, dass MDMA und Psilocybin eines Tages von der FDA für den medizinischen Gebrauch zugelassen werden.

Dieser Artikel erschien im Magazin Forbes im Oktober 2023 und wurde von mir übersetzt.

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